Business and More Blog

WfKMU OD Tools Zander Management Andanto

Forderungsausfall, Umsatz-, Auftragsrückgang und dann?

Wenn es eng wird, ist die Tendenz nicht etwa
- Kontakt mit seinen Gläubigern aufzunehmen,
- offen die Karten auf den Tisch zu legen und
- gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen wieder auf Erfolgskurs zu gehen.
Nein, es wird häufig geschwiegen und im Stillen versucht das Blatt wieder zu wenden.
Dabei gibt es sicher nur wenige, die durch kriminelle Energien eine Firma in die Insolvenz treiben. Fehler machen wir alle, dafür sind wir Menschen und keine Maschinen. Auch wenn wir noch so gut planen, kann so manches eintreten, was zuvor nicht planbar war. Planung ersetzt bekanntlich den Zufall durch den Irrtum!

Doch zuzugeben, dass es Liquiditätsprobleme gibt, die auf der Hand liegen, wenn mit schöner Regelmäßigkeit die Zahlungsziele nicht eingehalten werden, ist nicht üblich. Zu straucheln und unter Umständen Insolvenz anzumelden ist so negativ in Deutschland besetzt, dass sehr lange der Mantel der Verschwiegenheit über massive Probleme - inner- wie außerbetrieblich - gedeckt wird.

Menschen, die das schon einmal hinter sich haben, wird nicht mehr viel zugetraut. Denn auch wenn sie wieder etwas Neues aufbauen und diesmal erfolgreich wirtschaften, haftet es ihnen an. „Der? Der war doch schon mal insolvent, warte nur ab!“, habe ich schon zu hören bekommen. Wir Menschen denken leider immer zuerst an das Negative und kommunizieren das auch. Dabei ist es lobens- und anerkennenswert, wenn jemand aus Fehlern, die gar nicht mal seine gewesen sein müssen, lernt und es in der Folge besser macht. Es ist nicht schlimm zu straucheln, sondern fatal nicht wieder aufzustehen! Ich ziehe symbolisch meinen Hut vor Menschen, die viel oder alles verloren - von materiellen Dingen, über Freunde und Familie bis zum Ansehen - und sich trotzdem nicht Aufgaben und ein Ende für einen Neuanfang nutzten.

Es würde schon viel bringen, wenn wir lernten auch Misserfolge offen und sachlich zu kommunizieren, dafür Anerkennung bekämen und so mit unseren Gläubigern frühzeitig in einen Dialog treten können, ohne Angst zu haben das nun z. B. Lieferverträge und Kredite gekündigt werden.

Leider entstehen durch die gängige Praxis sehr spät Insolvenzen anzumelden, massive Vermögensschäden. Es wird so lange weiter gemacht bis schlicht keine Werte mehr da sind und dem Insolvenzverwalter nichts anderes übrig bleibt als das Unternehmen zu liquidieren. Auf der anderen Seite wandern Firmen ab, da es in anderen Ländern einfacher sei eine Sanierung mit Erfolg durchzuführen.

Das soll nun alles anders werden.
Seit dem 1. März 2012 ist das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung (ESUG) in Kraft getreten und trägt hoffentlich dazu bei, dass die Insolvenzkultur sich deutlich ändert. Es sollen dadurch Firmen, Werte und Arbeitsplätze erhalten bleiben!

Eine rechtzeitige Sanierung durch einen frühen Antrag zur Insolvenz in Eigenverwaltung mit Unterstützung der Gläubiger von Beginn an, ist das Ziel von ESUG. Dabei ist die außergerichtliche Vorbereitung das alles entscheidende Element für ein Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung.

Dienlich ist dazu das neue Schutzschirmverfahren, das max. 3 Monate in Anspruch genommen werden kann. Zur Erklärung: Während in der Vergangenheit zwischen dem Antrag und der Eröffnung der Insolvenz ein Insolvenzverwalter mit zum Teil weitgehenden Befugnissen eingesetzt wurde und erst bei der Eröffnung über die Eigenverwaltung entschieden wurde, steht die Geschäftsführung in der Zeit nun lediglich unter Aufsicht eines vorläufigen Sachwalters. Hinzu kommt, dass die Gläubiger schon mit Antragstellung über einen vorläufigen Gläubigerausschuss eingebunden sind. So ist die Geschäftsführung, frei von Vollstreckungsmaßnahmen, in der Lage, in bis zu 3 Monaten, einen tragfähigen Sanierungsplan zu erstellen.

Voraussetzung für die Einleitung dieses Schutzschirmverfahrens ist nach § 270b Abs. 1 Satz 3 InsO, dass der Schuldner mit dem Eröffnungsantrag eine mit Gründen versehene Bescheinigung eines in Insolvenzsachen erfahrenen Steuerberaters, Wirtschaftsprüfers oder Rechtsanwalts oder einer Person mit vergleichbarer Qualifikation vorzulegen, aus der sich ergibt, dass drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung, aber keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt und die angestrebte Sanierung nicht offensichtlich aussichtslos ist.

Hinzu kommt, lt. § 270b Abs. 3, dass das Gericht auf Antrag des Schuldners anzuordnen hat, dass der Schuldner Masseverbindlichkeiten begründet. Masseverbindlichkeiten sind Verbindlichkeiten, die bei einer Insolvenz vor anderen Verbindlichkeiten in voller Höhe aus der Vermögensmasse bedient werden. Der Schuldner erhält somit die Rechtsposition, die bisher nur ein starker vorläufiger Insolvenzverwalter innehatte.

Noch ist es zu früh Aussagen darüber zu treffen ob ESUG greift und zu einem Umdenken und dementsprechend frühzeitigem Handeln in Deutschland führt. Zu wünschen ist es!

_

Verfasst von Petra Zander um 19:58
Ein Beitrag von: Zander Management

Kategorien :

0 Kommentare :

Comment

Comments closed

Tags

Neueste Kommentare

Archiv